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Die Zukunft fährt mit Propan

Nachhaltigkeit ist zentraler Bestandteil der Eberspächer Vision von Clean Mobility. Auf der Busworld Europe 2025 zeigte das Unternehmen erstmals Klimasysteme mit Propan für Busse. Im Interview erläutert Kuno Zeller, Entwicklungsleiter der Business Unit Bus & Coach, warum R290 zum Schlüssel für nachhaltige Mobilität wird.

Mit unseren Lösungen lassen sich Bestands- und Neufahrzeuge mit natürlichen Kältemitteln ausrüsten. Eine Weltneuheit und für uns ein Meilenstein.

Kuno Zeller, Entwicklungsleiter der Business Unit Bus & Coach

Warum sind Alternativen zu synthetischen Kältemitteln für die Busbranche so wichtig?

30. Oktober 2025 – Das hat mehrere Gründe, die eng miteinander zusammenhängen. Ein zentraler Aspekt ist das sogenannte Global Warming Potential (GWP). Es beschreibt, wie stark ein Kältemittel im Vergleich zu Kohlendioxid (CO2) zur Erderwärmung beiträgt. CO2 dient dabei als Referenzwert mit dem Faktor 1. Je höher der GWP-Wert, desto stärker wirkt sich ein Stoff auf das Klima aus – je niedriger, desto umweltfreundlicher ist er. Die weit verbreiteten synthetischen Kältemittel liegen hier deutlich höher: Das in der Busklimatisierung häufig eingesetzte R134a besitzt ein GWP von 1.435. Das bedeutet: Eine bestimmte Menge des Kältemittels trägt über einen Zeitraum von 100 Jahren rund eintausendfünfhundertmal stärker zur Erderwärmung bei als die gleiche Menge Kohlendioxid (CO2). Propan hat beispielsweise einen GWP von rund 3 und gilt damit als deutlich nachhaltiger als synthetische Kältemittel. Diese Entwicklung zeigt, wohin die Reise geht. Und verschärfte gesetzliche Rahmenbedingungen beschleunigen den Umstieg auf natürliche Kältemittel weiter.

 

Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen sind das konkret?

Es sind im Wesentlichen drei gesetzliche Entwicklungen, die den Wandel hin zu natürlichen Kältemitteln beschleunigen. Die wichtigste ist die EU-F-Gas-Verordnung. Sie basiert auf dem internationalen Kigali-Abkommen und wurde von über 170 Nationen unterzeichnet. Dieses verpflichtet die Staaten, den Einsatz fluorierter Treibhausgase schrittweise zu reduzieren. Dafür wurde eine sogenannte Phase-down-Kurve definiert: Seit 2015 sinkt die zulässige Gesamtmenge an verfügbaren Kältemitteln kontinuierlich. In der Europäischen Union dürfen seit März 2024 nur noch 25 Prozent der ursprünglichen Mengen in Verkehr gebracht werden, bis 2030 reduziert sich der Anteil auf nur noch fünf Prozent. 

Diese schrittweise Verknappung führt dazu, dass herkömmliche synthetische Kältemittel nicht nur teurer, sondern langfristig kaum noch erhältlich sind. Parallel dazu bereitet die EU ein Verbot von PFAS (per- und polyfluorierten Chemikalien) vor. Diese sogenannten „Forever Chemicals“ sind in vielen Kältemitteln enthalten, bauen sich in der Umwelt nicht ab und gelten als potenziell gesundheitsgefährdend. Nach aktuellem Stand soll das Gesetz 2029 in Kraft treten, mit einer Übergangszeit von rund sechseinhalb Jahren – spätestens 2035 herrscht also ein vollständiges Verbot. 

In der Praxis heißt das: Ein heute verkaufter Bus mit einer Lebensdauer von rund 15 Jahren darf nach aktuellem Stand in etwa zehn Jahren nicht mehr mit herkömmlichen Kältemitteln betrieben werden. Deshalb sind nicht nur neue, zukunftsfähige Systeme gefragt, sondern zudem Nachrüstlösungen. Sie ermöglichen bestehenden Fahrzeugflotten den Umstieg auf natürliche Kältemittel.

Welche Lösungen bietet Eberspächer, um diese neuen Anforderungen zu erfüllen?

Wir bieten unsere Aufdachklimaanlagen – die AC135 Familie und die 
AC138 EVO – künftig ebenso mit den natürlichen Kältemitteln an. Propan deckt im Heiz- und Kühlbetrieb einen großen Temperaturbereich von etwa -15 bis +55 Grad ab und eignet sich besonders für warme Klimazonen und den Wärmepumpenbetrieb. Für kühlere Regionen setzen wir auf CO2-basierte Systeme als effiziente Alternative. 

Darüber hinaus entwickelten wir gemeinsam mit einigen Partnern ein Nachrüstkonzept für Dieselbusse.

Wie unterscheiden sich unsere Systeme von anderen Herstellern?

Der größte Unterschied liegt im Systemaufbau. Viele Hersteller nutzen Propan nur indirekt: Das Kältemittel kühlt zunächst Wasser, das dann über einen Wärmetauscher in den Fahrgastraum geführt wird. Das verringert zwar den Kältemittelmenge und potenziellen Kontakt, reduziert jedoch gleichzeitig die Effizienz – jeder zusätzliche Wärmetauscher bedeutet Energieverluste. 

Wir gehen einen Schritt weiter mit einem direkten Kältemittelkreislauf. Das heißt: Das Propan strömt direkt durch Verdampfer und Kondensator, ohne sekundäres Medium. Damit entfallen ein kompletter Kreislauf, zahlreiche Bauteile und unnötige Masse. Der Effekt ist messbar: Im Vergleich zu indirekten Systemen erreichen wir eine bis zu 27 Prozent höhere Energieeffizienz.

 

Wie gewährleistet Eberspächer bei diesem direkten Ansatz die Sicherheit?

Sicherheit hat für uns oberste Priorität. Unser Systemkonzept folgt bewährten Standards, deren Basis aus der Bahnindustrie stammt. Dabei wird die Anlage in definierte Zonen unterteilt. Gezielte Abdichtungen und Belüftungsmaßnahmen sorgen dafür, dass selbst im sehr unwahrscheinlichen Fall eines Lecks kein Kältemittel in kritische Fahrzeugbereiche gelangen kann. 

Zusätzlich führten wir gemeinsam mit Kunden eine umfassende Risikobewertung durch und analysierten alle denkbaren Szenarien. Das Ergebnis: Das verbleibende Risiko liegt weit unterhalb alltäglicher Vergleichswerte.  

Was steckt hinter der Lösung für Dieselbusse?

Für uns ist das ein Meilenstein: Bisher war der Einsatz natürlicher Kältemittel in Dieselbussen technisch nicht möglich, da die mechanisch angetriebenen Kompressoren nicht für Propan oder CO2 verfügbar sind. Eine Umrüstung bestehender Fahrzeuge war damit praktisch ausgeschlossen. Gemeinsam mit mehreren Partnern applizierten wir einen Generator, der elektrische Energie bereitstellt und so den elektrischen Kompressor im Klimagerät antreibt. Damit lassen sich Dieselbusse – ob Bestands- oder Neufahrzeuge – mit natürlichen Kältemitteln ausrüsten. Eine Weltneuheit. 

Auf der Busworld Europe 2025 feierten die Produkte Premiere. Wie war die Resonanz?

Die Resonanz war durchweg positiv. Wir hatten auf der Messe erstmals die Möglichkeit, unsere neuen Systeme zu präsentieren, an unserem eigenen Stand und direkt bei mehreren Fahrzeugherstellern. Die AC138 EVO und die AC135 waren beispielsweise auf Fahrzeugen von MAN, CaetanoBus, und VDL Bus & Coach zu sehen. Das hat für große Aufmerksamkeit gesorgt. 

Viele Besucher waren beeindruckt, dass wir Propan-Klimaanlagen mit einem direkten Kältemittelkreislauf serienreif und im Flottenbetrieb vorstellten. Für uns ist das ein klarer Beleg, dass der Markt bereit ist, den nächsten Schritt zu gehen hin zu klimafreundlichen, zukunftssicheren Lösungen. 


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